Kulinarischer Rundgang

Heute begeben wir uns auf einen genussreichen, kulinarischen Rundgang durch Stockholm. Natürlich wollen wir uns zunächst mit einem leckeren Frühstück eine richtig gute Grundlage schaffen, um für weitere Entdeckungen gestärkt zu sein. Für das leibliche Wohl ist in der Stadt mehr als gesorgt und so haben wir bereits jetzt die Qual der Wahl - wir können uns eines der zahlreichen Cafés aussuchen, die Frühstück in verschiedenen Varianten anbieten, vom Buffet über ein “Frukostpaket” bis hin zum klassischen “á la carte”. Oder wir gönnen uns heute mal ein Hotelfrühstück - ganz unabhängig davon, ob wir in einem solchen übernachtet haben. Zahlreiche Hotels bieten diesen Service auch für Spontangäste an - die meisten allerdings nur an Wochentagen. Da unser Rundgang auf Södermalm beginnt, müssen wir uns also entscheiden: gehen wir ins Malmen am Medborgarplatsen (Medis), eines der Scandic Hotels. Das hiesige Buffet bietet für akzeptable Preise nicht nur die ganze Palette von süß bis herzhaft sondern auch gluten- und laktosefreie Alternativen. Etwas Besonderes ist hier die Möglichkeit, sich seine Waffeln (våfflor) selbst zuzubereiten - mit der obligatorischen Marmelade und natürlich mit viel Sahne. Oder doch ins Urban Deli, den urbanen Treffpunkt schlechthin, der alles von der Delikatessbutik über den Take-Away bis hin zur Kaffeerösterei unter einem Dach vereint und dazu kinderfreundlich daherkommt? Hier bekommt man nicht nur wahlweise ein Frukostpaket oder á la carte, nein, hier ist man - so schreibt schon das Aftonbladet 2013 - “willkommen, satt und glücklich”. Die einzige Gefahr bei der “Perle am Nytorget” besteht darin, sich zu lange nicht mehr davon weg zu bewegen. Schließlich ist die Atmosphäre großartig und auch die Umgebung unbestritten reizvoll - bei Sonnenschein kann man sich, sollten die Außenplätze vergeben sein, direkt über der Straße im Park niederlassen. Und etwas leckeres zu Essen bekommt man eigentlich den ganzen Tag über.

Nun wollen wir zur Abwechslung mal nicht nur dem Magen Nahrung zuführen und steuern das Fotografiemuseum an Södermalms Nordseite an. Traumhaft am Wasser gelegen bietet das ehemalige königliche Zollamt neben beeindruckenden Ausstellungen auch ein schönes Restaurant mit wundervollem Blick über den Hafen, von Gamla Stan hinüber bis nach Djurgården. Hier kann man die ökologischen und lokalen Speisen teilweise sogar selbst zusammenstellen und in jedem Fall dem Kunsterlebnis noch ein geschmackliches folgen lassen. Zudem ist es in Stockholm grundsätzlich durchaus klug, eher ein vergleichsweise preiswertes Mittagessen (Lunch) auswärts zu sich zu nehmen. Da die Schweden eher zeitig essen, nimmt dar Andrang bereits am 12.30 wieder ab und im Lunch ist meist Salat, Brot, Wasser und Kaffee oder Tee inbegriffen. Abends in ein Restaurant zu gehen ist hingegen meist recht teuer. Grundsätzlich wartet man nach dem Betreten eines Restaurants auf den Oberkellner (Hovmästare), der oft an einem entsprechend gekennzeichneten Pult steht und den Tisch zuweist. Es kommt durchaus vor, dass man vor dem Betreten des Speiseraums zur teilweise kostenpflichtigen Abgabe der Jacken angehalten wird. Leitungswasser (Kranvatten) hingegen ist immer kostenlos.

Wir ziehen also weiter, überlassen die etwas touristischen Cafés in der Altstadt den Gästen aus aller Welt und wollen die Insel Kungsholmen noch ein wenig erkunden. Natürlich schauen wir uns das Stadshuset mit seinem beeindruckenden und im Sommer begehbaren Turm an - hier werden ja immerhin jährlich die Nobelpreise verliehen. In den Genuss dieses Festmahls kommen wir aber leider nicht. Zumindest nicht heute. Stattdessen wollen wir etwas ganz Neues testen, das mit dem vielversprechenden Namen Café Proviant  wirbt. Dieses Café ist eigentlich mehr Restaurant, zählt zu den angesagtesten Neueröffnungen und verbindet nordische Gerichte mit lokalem Fisch & Fleisch. Besonders wird dieses Bistro jedoch durch den jährlich hergestellten, eigenen Cider, sein selbstgebrautes Bier und das Sortiment lokaler Brauerzeugnisse. Wir genehmigen uns ein kleines Selbstgebrautes und ziehen schnell weiter.

Und wieder können wir uns nur schwer entscheiden, wo unsere nächste Station sein soll. Es steht zur Auswahl das Flippin Burgers in der Nähe der Bahnstation Rådmansgatan. Hier werden ehrliche, leckere und preiswerte Burger mit selbstgemachten Pommes verkauft, was enormen Andrang hervorruft. Das Restaurant überzeugt außer mit seinen einfach guten Burgern durch freundliches Personal und mit der spannenden Entstehungsgeschichte - an deren Anfang stand die Suche nach Inspiration und der Wille, ein neuartiges Esserlebnis zu gestalten. Sicher, Burger werden trotzem nicht gesund, aber hin und wieder ist hier ein Besuch absolut lohnenswert.

Wir wollen uns nun unbedingt in die nahe gelegene Citykonditoriet begeben. Unweit von der schönen Adolf Fredriks Kyrka lässt es sich in diesem nobel anmutenden altehrwürdigen Lustschloss aus dem Jahre 1912 mit Stil und doch für kleines Geld Mittagessen. Kommt man nach 15.00 Uhr so bietet sich die Konditorei, die sämtliche Brot- und Backwaren mit Liebe, Qualität und vor allem selbst herstellt, zur obligatorischen Fikapaus an. Ohne “Fika” geht in Schweden sprichwörtlich nichts, die Kaffeepause mit einem Stück Kuchen, einer Zimtschnecke oder einem anderen süßen Teilchen gehört zum Alltag schlicht dazu, egal wo man sich gerade befindet. Wie die Citykonditoriet bieten auch viele andere Cafés neben den klassischen süßen Köstlichkeiten einfache Mittagessen. Auf den Speisekarten findet man dann meist Salate, Suppen, Quiche oder Lasagne. Meistens herrscht hier Selbstbedienung. Wir genießen die Fika heute jedenfalls wie Könige in gediegenen Sofas bevor wir uns wieder in den Großstadtrummel stürzen.

Jetzt brauchen wir aber dringend was Herzhaftes! Wir gehen ein paar hundert Meter in Richtung Osten um im Birger Jarlsgatan 83 bei Lennart & Bror& Bror ein paar leckere Würste zu probieren. Je nach Lust und Laune kann man sich hier Merguez, Thüringer, Kabanossi oder eine echte Currywurst reinziehen. Diese Metzgerei lohnt einen Besuch und deckt einen echten Bedarf, schließlich ist sie entstanden weil zwei junge Männer eine zuverlässige Charcuterie vermissten.

Von hier aus ist unser nächstes Ziel ist das Kulturhuset am Sergels Torget, in dessen 2. und 5. Etage man dem hektischen Treiben der Fußgänger eigentlich zu jeder Tageszeit und mit dem entsprechenden kulinarischen Zusatz ganz entspannt von oben zuschauen kann. Das Kulturhuset, überdies Treffpunkt zum Schach spielen, Lesen und natürlich für Theaterbesuche, ist einfach immer einen Abstecher wert!

Á propos Kultur - wir wollen unserem Stadtspaziergang noch eine weitere Kombination aus Museum und Restaurant hinzufügen und fahren dazu mit der Straßenbahnlinie 7 auf die grüne Insel Djurgården. Von der Haltestelle am Nordischen Museum flanieren wir am bekannten Vasamuseum vorbei zum Spritmuseum - eigentlich ziemlich nachvollziehbar ein Alkoholmuseum mit einer Gastwirtschaft zu verbinden, und das hier auch noch auf sehr hohem Niveau. Wir gehen wieder ein paar Meter und nehmen die Fähre nach Slussen um zum Abend hin wieder auf Södermalm zurückzukehren. Nach dem steilen Anstieg Richtung Götgatan biegen wir nach rechts ab und legen am Mariatorget noch eine kleine Fikapaus ein. Das Johan & Nyström wurde bereits als bestes Café Schwedens ausgezeichnet - angenehme Atmosphäre und hervorragender Kaffee sind hier garantiert!

Zu unserem Erstaunen meldet sich bei uns schon zeitig wieder der Hunger, woraufhin wir zur Krönung in eines der ältesten und besten Restaurants mit klassisch schwedischer Hausmannskost gehen - das Pelikan. Seit über 110 Jahren im Blekingegatan geht die Geschichte dieses Hauses bis ins 17. Jahrhundert zurück - im Laufe der Zeit wurde es oft als das beste Restaurant Södermalms bezeichnet. Der vom Jugendstil inspirierte große Saal verleiht Renbraten, Schweinshaxe oder Saibling eine unglaubliche Würde. Völlig klar, dass die Szene der Restaurants viel zu sehr in Bewegung ist um überhaupt fassbar zu sein. Dieser Tag aber schreit geradezu nach einem Schlusspunkt und so bewegen wir uns in Richtung der Weinbar Hornstulls Bodega, eine nach eigener Beschreibung “entspannte, lebendige und unprätentiöse” Weinbar in deren Mittelpunkt natürlich Wein steht. Guter, europäischer Wein.